Prey Review

Auf den First Person Shooter Prey wurde ich von meiner Freundin yamisin aufmerksam gemacht. Es handelt sich um einen interessanten Mix aus SciFi Shooter, mystischer Hintergrundgeschichte und innovativem Gameplay. Beinahe hätte ich diese Perle verpasst! Und das wäre wirklich schade gewesen, denn Prey hat einiges zu bieten.

Titel: Prey
System: PC
Genre: Ego Shooter
Erscheinungsjahr: 2006
Entwickler: Human Head Studios
Durchgespielt in 5 Stunden Spielzeit

Story: 7/10
Der Indianer Tommy muss mit ansehen, wie sein Großvater und das Mädchen seiner Träume von Aliens entführt werden. Er selbst kann sich aus der Versklavung zwar knapp retten, findet sich jedoch auf dem Mutterschiff der außerirdischen Invasoren wieder. Nach einer kurzen Einführung wird klar: Die Aliens haben es gar nicht primär auf die Erde abgesehen. Der blaue Planet ist nur ein kurzer Zwischenstopp auf ihrer Eroberungstour durch das Weltall. Unzählige weitere Welten stehen noch auf ihrem Plan und nur Tommy scheint die fremde Spezies stoppen zu können. Neben Einflüssen aus indianischer Mythologie sind ihm dabei vor Allem die neuzeitlichen Feuerwaffen der Aliens ein gefundenes Hilfsmittel. Die relativ kurze Geschichte bietet insgesamt mit zwei unvorhergesehenen Twists nicht zu wenig Überraschungen und lässt sich durchaus im oberen Drittel der Shooterkonkurrenz einsortieren. Besonders das Ende selbst begeistert dabei, ein durchspielen lohnt sich also – allein schon wegen dem End Credit Song „Take Me Home“.

Gameplay: 8/10
Im Prinzip hat Prey alles, was einen guten Shooter ausmacht: Interessante und individuelle Waffen, eine flüssige Steuerung, ein spannendes Leveldesign und vor Allem das gewisse Etwas in Puncto Gameplay. In Prey findet sich nämlich das durch Valves „Portal“ so bekannt gewordene Teleportationsfeature wieder! Krabbelt Protagonist Tommy in eine der Portal-Boxen, ist nie gewiss, wo er wieder herauskommt. Teilweise werden so interessante 180 Grad Wendungen erzielt, die die Anpassungsfähigkeit des Spielers auf eine harte Probe stellen. So kann der krasse Wechsel aus Close Quater Combat und weitläufigem Distanzkampf auch erfahrene Spieler fordern. Eben diese Passagen sind es, die Prey meiner Meinung nach auch heute noch interessant zu spielen machen. Ein weiteres Gameplayfeature allerdings wird schnell nervig: Overhead Fighting. Das bedeutet im Klartext nichts anderes, als dass Tommy sich der Gravitation widersetzt und an der Decke des Levels entlangspaziert. Was bei den ersten zwei bis drei Begegnungen noch innovativ und witzig wirkt, kommt im Gegensatz zu den Portalszenen schnell aufgewärmt und aufgezwungen herüber. Speziell in Kombination mit Tommys Spezialfähigkeit, dem „Spirit Walk“, bei dem sich der Indianer in einen Astralkörper verwandelt und so gewisse Wände durchschreiten kann, wird das Feature von den Leveldesignern gern verwendet, um störende Rätselpassagen einzubauen, die lediglich den Spielfortschritt etwas hemmen. Dennoch sind die störenden Passagen kein K.O. Kriterium für dieses actionlastige und gut designte Science Fiction Spiel.

Grafik: 6/10
Auf grafischer Seite weiß Prey leider nicht so ganz zu überzeugen. Zwar macht der Ambiente-Mix aus Indianerkultur und Alien Invasion atmosphärisch einiges her, die Grafikqualität selbst ist aber absolut nicht zeitgerecht für ein 2006er FPS Game. Was das Spiel tatsächlich zu einer Bewertung von sechs Punkten bringt, ist die wirklich gut übertragene Stimmung. Elemente wie Verzweiflung und Einsamkeit finden sich gleichermaßen wieder, während wir in der Rolle des armen Indianers um das Leben unserer Traumfrau kämpfen. Akkustisch wird das Spiel von einem guten Soundtrack begleitet, der in actiongeladenen Schießereien wie auch spannenden Storypassagen nie seine Wirkung verfehlt.

Fazit:
Nach sage und schreibe 11 Jahren Entwicklungszeit muss man sich wohl oder übel eingestehen, dass auf grafischer Seite eindeutig mehr zu holen gewesen wäre. Doch lässt man diesen Kritikpunkt mal kurz außer Acht, so stellt sich schnell heraus, dass Prey ein wirklich solider SciFi Shooter mit einer durchdachten und interessanten Story ist, der auch in Sachen Gameplay einiges zu bieten hat. Wer sich hier von der zugegeben wirklich nicht perfekten optischen Erscheinung abschrecken lässt, macht womöglich einen Fehler, denn Tommys Weltraumabenteuer spielt sich nicht nur ausgesprochen flüssig und interessant, sondern erzählt auch eine spannende Geschichte. Wer sich also mal ansehen möchte, wo die Jungs von Portal wahrscheinlich die ein oder andere Anregung stibitzt haben, dem möchte ich Prey trotz Grafikdefizit und recht kurzer Spielzeit empfehlen.

TL;DNR: Stimmiger Ego Shooter mit interessanten Gameplayfeatures.